Johann Sebastian Bach (1685-1750)

 

«Matthäus-Passion»

 Passionskonzerte 2019

 

Projektinformation

 

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Dimension der Matthäus-Passion
Als die Besucher des Nachmittagsgottesdienstes der Leipziger Thomaskirche am Karfreitag 1729 der Musik der «Passion unseres Herren Jesu Christi nach dem Evangelisten Matthäus» von Johann Sebastian Bach lauschten, waren sie sich des historischen Moments kaum gewahr: Mit seiner Matthäus-Passion schuf Bach eine einmalige Passionsmusik, deren Dimension im Laufe der Musikgeschichte nie wieder erreicht werden sollte.

 

Formales Konzept
Die zweichörige Struktur der Matthäus-Passion ist wohl das auffallendste Merkmal. Wenn man die Schwierigkeiten Bachs bedenkt genügend Sänger und Musiker zu finden, um grosse Werke aufzuführen, kann man ermessen, wie wichtig ihm die Doppelchörigkeit war. Sie dient nicht nur dem prächtigen Klangspiel, vielmehr soll sie den Passionstext als Dialog zweier Klanggruppen musikalisch-rhetorisch gestalten: Picanders Dichtung ist ein betrachtendes Zwiegespräch der Tochter Zion (Personifizierung Jerusalems im Alten Testament bei Jesaja) mit den Gläubigen.
Bauplan der Matthäus-Passion
Beim Blick in die Partitur fällt auf, dass Bach in seine grosse Passionsmusik eine weitere Dimension eingewoben hat: Der zentralen Gruppe Evangelist-Jesus-Continuo steht die reflektierende Gemeinde (Choräle) gegenüber. Somit entsteht der symbolhafte Eindruck eines Kreuzes.

 

Konzeptionelle Umsetzung

Bei der Aufführung der Matthäus-Passion in der Karwoche 2019 ist es Kantor Daniel Schmid wichtig, das formale Konzept der dialogischen Struktur für die Zuhörenden erlebbar zu machen:

  • Die zweichörige Struktur wird durch die räumliche Gegenüberstellung der beiden Chöre sichtbar: Chorus 1 und Chorus 2 stellen die horizontale Quer-Achse des Kreuzes dar.
  • Das Orchester wird wie in Bachs Partitur ebenfalls zweichörig aufgestellt.
  • Dem hohen Mittelteil eines Altares entsprechend wird die zentrale Gruppe Evangelist-Jesus-Continuo in der Mitte platziert.
  • Der von Bach in einem separaten System notierte Choral des Eingangschores, die den ersten Teil abschliessende Choralbearbeitung «O Mensch bewein dein Sünde gross» sowie die der Gemeinde zugedachten Choräle bilden zusammen mit der zentralen Gruppe die Längs-Achse des Kreuzes.
  • Die vertiefende Beschäftigung mit den Chorstücken zeigt oftmals innerhalb von Chorus 1 bzw. Chorus 2 eine dialogische Anlage. Diese wird mit Ripieno (Ganzer Chor) und Concertino (Klein-Chor) umgesetzt.
  • Die solistischen Arien werden konsequent zweichörig umgesetzt und die Solisten singen (wie bei Bach) in Chorus 1 und Chorus 2 mit.