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Adventskonzert 2008

Presse Adventskonzerte 2008

Konzert in der Stadtkirche Aarau, 11. Dezember 2008 

Konzertkritik in der Aargauer Zeitung, 13.12.08, Seite 38

Französisches Klang-Raffinement

Aargauer Kantorei mit «L’enfance du Christ»

Sibylle Ehrismann

Daniel Schmid hat mit seiner Aargauer Kantorei und seinem Collegium vocale Grossmünster das Oratorium «L’enfance du christ» von Hector Berlioz mit natürlich atmendem Puls und wohltuender Weitsicht aufgeführt.

 

Schade nur, dass die Stadtkirche Aarau am Donnerstag recht lichte Reihen aufwies. Ein kleiner Wermutstropfen war zudem, dass der Tenor Tino Brütsch als Erzähler mit einer Erkältung zu kämpfen hatte und mit seiner leicht gebrochenen Stimme nur auf halbmast singen konnte.


Doch ansonsten gestalteten die Solisten, die in diesem Werk stark gefordert werden, ihre Parts mit berührender und engagierter Ausdruckskraft. Allen voran die Mezzosopranistin Ingrid Alexandre, die den Part der Maria nicht nur «schön und heilig» sang, sondern mit einer ganzen Palette von Farben und einer frei atmenden Musikalität.
Auch im Dialog mit Josef, den Bariton Ernst Buscagne mit guter Diktion und Hingabe sang, kam es zu mehreren Höhepunkten: etwa in der 5. Szene des 1. Teils «Der Stall von Bethlehem», in der sich die beiden Stimmen, von der Oboe umschmeichelt, zu einem wunderbar lyrischen Paar vereinten. Aber auch im dramatischen 3. Teil, in
dem die Heilige Familie auf der Flucht durch die Wüste leidet und in Ägypten keine Aufnahme findet, gelang beiden Sängern eine überzeugende Dramatisierung.


GROSSARTIG AUCH der schlanke und doch üppige, die tiefsten Töne weit hinaustragende Bass von Peter Mächler. Ob als Herodes oder als rettender Hausvater Ismael, er deutete die ganz unterschiedlichen Gefühlswelten dieser beiden Figuren facettenreich aus. Dabei wurde Mächler vom Philharmonischen Orchester
Budweis unterstützt, welches Daniel Schmid agil auf die SängerSolisten ausrichtete.


Überhaupt kommt dem Orchester in diesem französischen Oratorium mit ausführlichen Einleitungen oder Zwischenspielen eine tragende Rolle zu. Die Budweiser Philharmonie überraschte dabei mit homogenem Klangbild und einer erstaunlich differenzierten Dynamik. Das lässt sich auch von den beiden Chören sagen – der Aargauer Kantorei und dem Collegium vocale Grossmünster. Sie mischten das französische Klang-Raffinement von Berlioz mit weicher Stimmgebung, schönem Legato und gutem Gehör immer gut ausbalanciert. Auch wenn der Chor in diesem Werk eher wenig zu singen hat, er war bei jedem Einsatz hochpräsent bei der Sache.


Weitere Aufführungen Stadtkirche Zofingen, heute, 13. 12.; Grossmünster Zürich, 14. 12.